Holz lebt – ein Rückblick auf das Lebenswerk des Bildhauers Konrad Saal

Auf Einladung des Bezirksverbandes, kamen über 50 Kolpingmitglieder nach Oberammergau, um Ihren Ehemaligen Bezirksvorsitzenden dessen Lebenswerk zu bestaunten. Viel zu erzählen hatte uns Konrad Saal. Er hat Angst, dass das traditionelle Bildhauergewerbe in Oberammergau ausstirbt. Mit 14 Jahre fing er das Schnitzen an, dann hat er seinen Meister gemacht, gründete seine eigene Werkstatt und wurde schließlich Lehrer und Direktor an der Schnitzschule in Oberammergau. Mittlerweile ist Konrad Saal 78 Jahre alt hat dieses Jahr seine 60 Jährige Kolpingmitgliedschaft gefeiert. Als Auszeichnungen bekam es 2006 die Korbinians Nadel und 2017 die Ehrennadel des Diözesanverbandes. Er lässt sich nicht unterkriegen – wacker schwingt er weiter seinen Holzschlegel, denn er ist einer der wenigen Herrgottsschnitzer, die überlebt haben. „Das ist eine schöne Bestätigung, dass ich nicht alles falsch gemacht habe in der Welt – wenigstens in beruflicher Hinsicht.“ Jedes Teil ein Unikat – ob die Joseffigur aus Zirbelholz in der Krippe oder der Zwetschgenstamm mit Engelsfigur – kein Werk gleicht dem anderen. Vor allem das Scharfkantige ist ein Indiz für echte Handarbeit, erklärt Konrad Saal. Bei Ihm lernt man das genaue Hinsehen! Da steht das Überbleibsel einer Mooreiche im Ausstellungsraum, ein Eibenstumpf und ein kleines Stück eines Thujenstammes. Wenn man nicht aufpasst, könnte man in diesen Fragmenten glatt die Weihnachtsgeschichte verpassen, die darin steckt oder den Kopf des Gekreuzigten. Konrad Saal findet die Reste umgefallener Bäume bei Spaziergängen an der Ammer oder im Schlosspark von Linderhof. Er lacht, so mancher Passant wunderte sich in der Vergangenheit, der das eine oder andere Trumm zum Auto zerrte. Die eingesammelten Stücke liegen oft jahrelang bei ihm im Garten, bis Saal die Geheimnisse des scheinbar toten Holzes erkennt; aber er sagt vehement: „Holz lebt!“ Mit hellwachen Augen und scharfen Sinnen entdeckt der Künstler im Stamm einen winzigen Corpus Christi. Aus einer anderen Wurzel blickt ihm die Maske eines neugierigen Baumgeistes an. Es braucht schließlich ein paar Schnitte mit dem Schnitzmesser oder mit der Motorsäge, um die Details einer Heiligen Familie oder eines Christuskopfes herauszuarbeiten. 2010 erkranke Konrad, an Krebs, und konnte keine schweren Arbeiten mehr verrichten. Hier entstand eine zwei Meter hohe PU-Schaum Skulptur mit einem Film aus Autolack „Hände“, diese beeindruckte damals besonders Kinder, was aus einem Besuchergespräch zu hören war. Konrad erzählt „Wäre ich damals krank nur sitzen geblieben, hätte ich nie so gut schlafen können“. Dies trug wohl letztlich auch zu seiner Genesung bei. So erleben wir Ihn Humorvoll, stark und geistig rege, noch immer voll im Schaffensprozess.

Veronika Bartl
Bezirksvorsitzende Garmisch-Partenkirchen Werdenfels

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